Studie: Digitale Weiterbildung scheitert an Unternehmen

Die Haufe Akademie hat das Markt- und Meinungsforschungsinstitut forsa beauftragt, im Dezember 2020 eine repräsentative Studie zum „Wert der Weiterbildung“ vorzunehmen. Die wichtigsten Ergebnisse: Qualifizierungsmaßnahmen werden generell als wichtig eingeschätzt, das Interesse nimmt mit zunehmendem Alter aber stark ab. In Anbetracht des steigenden Durchschnittsalters der Beschäftigten, das aktuell (noch) bei rund 44 Jahren liegt, steht damit die Zukunftsfähigkeit von Mitarbeitern, Unternehmen und dem Wirtschaftsstandort Deutschland auf dem Spiel.

Knapp die Hälfte der Befragten wünscht sich inzwischen mehr digitale Bildungsformate, während in rund acht von zehn Fällen noch sehr traditionell in Form von Präsenzveranstaltungen fortgebildet wird. Hauptgrund für diese Diskrepanz ist die mangelnde finanzielle oder technische Unterstützung der Unternehmen sowie fehlende Beratung zu passenden Angeboten. Führungskräfte und HR sind also gefragt, um mit digitaler Weiterbildung und einer Kultur des lebenslangen Lernens die Zukunftsfähigkeit ihres Unternehmens zu sichern.

Die Ergebnisse der Studie zeigen: Corona wirkt auf den Wert der Weiterbildung in den Unternehmen wie ein Brennglas – und lässt die Schere zwischen den weiterbildungsaffinen jüngeren Beschäftigten und ihren älteren Kollegen weiter auseinandergehen. Insgesamt sind aktuell 78% der Angestellten überzeugt davon, dass es wichtig oder sogar sehr wichtig sei, sich beruflich fit zu halten. „Die Corona Pandemie hat nochmals verdeutlicht, wie schnell wir auf Veränderungen reagieren können müssen – und das gilt nicht nur für Unternehmen oder ganze Branchen, die sich von heute auf morgen neu erfinden müssen. Dieser ‚need for speed‘ gilt insbesondere auch für die Mitarbeiter, denn sie sind es, die mit ihren Kompetenzen die Zukunft des Unternehmens gestalten. Und nicht zuletzt gilt die hohe Veränderungsgeschwindigkeit auch für uns als Weiterbildungsanbieter.“, betonen Dr. Jörg Schmidt und Christian Friedrich, beide Geschäftsführer der Haufe Akademie.

Mitarbeiter wollen sich beruflich fit halten

40% der Befragten haben in den letzten beiden Jahren überhaupt keine Fortbildung gemacht. Diejenigen, die in diesem Zeitraum ein arbeitgeberfinanziertes Angebot genutzt haben, waren zu 82% bei Seminaren oder Tagungen. Das verdeutlicht, dass in Deutschland noch sehr traditionell fortgebildet wird. Fast 47% der Befragten wünschen sich allerdings künftig einen Mix aus klassischen und digitalen Lernangeboten. 32% der Belegschaft erhoffen sich vor allem mehr Beratung und Unterstützung bei der Wahl des Fortbildungsprogramms.

Nichtsdestotrotz sind 79% der Befragten mit den Fortbildungs-möglichkeiten ihres Arbeitgebers grundlegend zufrieden. Lediglich jeder Fünfte (18%) ist weniger zufrieden oder unzufrieden. Wie kann es sein, dass trotz dieser Ergebnisse nur knapp über die Hälfte der Belegschaft eine Fortbildung in Anspruch nimmt?

Personalentscheidern wie Führungskräften kommt eine tragende Rolle zu, Berührungsängste abzubauen, neue (digitale) Lernformate auszurollen und diese nicht nur als Mehrwert für den einzelnen Mitarbeiter, sondern für die gesamte Organisation zu initiieren. Das gilt für ältere Arbeitnehmer, die eher unmotiviert sind, ebenso wie für junge Talente und Frauen, die sich mehr Fortbildung wünschen, sie im Moment aber nicht wahrnehmen (können?). Ein Mix aus Präsenz und- Digitalformaten ist der Schlüssel für modernes Lernen. Nicht zuletzt hat sich jeder zweite Angestellte (48%) fest vorgenommen, in diesem Jahr ein digitales Lernangebot zu nutzen.

Fachwissen schlägt Soft Skills

Anhand von vier Kategorien wurde ermittelt, in welchen Bereichen es für Mitarbeiter am wichtigsten ist, sich fortzubilden. Das Ergebnis: Fachwissen steht bei 37% der Befragten ganz oben auf der Lern-Agenda. Danach folgen die Anwendung neuer Technologien mit 24%, sowie soziale (16%) und persönliche Kompetenzen (12%). Diese Zahlen stehen im Gegensatz zu Studien wie dem „Global Talent Report 2019“ von LinkedIN, in dem 92% der befragten HR-Manager der Meinung sind, dass Soft Skills im Recruiting mindestens so wichtig sind wie Fachwissen – wenn nicht sogar wichtiger.

„Gerade jetzt sind Kenntnisse neuer Technologien und Soft Skills wie Selbstorganisation mindestens so hoch zu bewerten wie reines Fachwissen“ gibt Schmidt zu bedenken. „Auch diese Ergebnisse zeigen also einmal mehr, wie wichtig es ist, dass Personalentwicklung und Führungskräfte die Mitarbeiter nicht nur zum lebenslangen Lernen motivieren und eine entsprechende Kultur implementieren, sondern auch kontinuierlich im Dialog bleiben und sie beraten.“

Zur Studie: Für die repräsentative Studie „Wert der Weiterbildung“ befragte das Markt- und Meinungsforschungsinstitut forsa im Auftrag der Haufe Akademie bundesweit 1.004 Angestellte. Die Studie wurde im Dezember 2020 als Telefon-Befragung durchgeführt. Die aktuelle Studie stellt eine Weiterentwicklung der vorangegangenen Studien in den Jahren 2013 und 2018 dar.

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